Des nachts laufe ich also in Warschau alleine in einen Hinterhof. Der Tipp stammt aus dem Internet und sorgte dafür, dass ich in dieser Nacht einer Vielzahl nackter Männer begegnet bin.
„In den dritten Hinterhof und dann links.“ So die Anleitung aus dem Internet. Ein großes Schild gäbe es nicht, sondern nur eine Klingel. Ich schaute mir also sämtliche Eingänge noch mal genauer an und überprüfte so unauffällig wie möglich die Klingeln. In dem letzten Hinterhof fand ich nix. Also lief ich den Weg zurück. Diesmal anders als wie ich ihn gekommen war. Und fand in der Toreinfahrt eine unauffällige Stahltür. Auf dieser war aufgesprayt „fanTOM“. Das war zwar jetzt rechts, statt links, aber so ist das nun mit ungenauen Tipps. Ich drückte auf die Klingel, die in einem Wasserspritzschutz steckte. Es summte und ich sah eine Treppe, die in die Tiefe führte.
Am Ende der Treppe bog man nach links ab. Dann sah ich ein eckiges Loch in der Wand – die Reception –und rechts davon Männer – bekleidet NUR mit Handtüchern. Nicht ganz das, was ich erwartet hatte! Der Mann an der Reception brudelte was auf polnisch, schob ein Handtuch und einen Schlüssel durch das Loch. Den Schildern entnahm ich den Preis: 25 Zloty – also nur ca. 6 Euro. Da sagte ich mir: „Was soll’s. Gönnen wir uns eine neue Erfahrung.“ Ich bezahlte und stürzte mich ins Getümmel.
Berührungsängstlich – falls es dieses Wort gibt – ging ich in die Umkleide und fand raus zu welchem Spint mein Schlüssel passte. Angepasst an die Anderen entledigte ich mich aller Klamotten, warf diese in meinen Spint und legte sofort das Handtuch an. Orientierungslos begab ich mich in das Labyrinth dieser Kellerkatakomben. Ich fand eine Sauna, ein Dampfbad, ein Jacuzzi und viele dunkle Räume.
Einige Männer standen im Flur und beobachteten, was das „Buffet“ so hergab. In der Sauna war ich allein. Als ein alter Mann dazu kam, verließ ich die Sauna schnell. Das gleiche Spiel im Dampfbad. In den Jacuzzi ging ich erst gar nicht. Auf das Hygieneabenteur ließ ich mich lieber nicht ein. Ergo: die Entspannung für einen gemütlichen Wellnessabend machte sich bei mir nicht wirklich breit.
Zwischen all den „Fantomem“ entdeckte ich jedoch einen dunkelhaarigen, dreitagebärtigen, großgewachsenen, muskulösen, sexy Mann. Diesen verfolgte ich. Bis in die unergründliche Tiefe des Dark Rooms und sammelte dort einige Erkenntnisse. Erste Erkenntnis: es ist dort sehr dunkel. Zweite Erkenntnis: die Typen kommen einem enorm Nahe und betatschen dich überall. (Und falls das inzwischen vergessen wurde: ich hatte nur ein Handtuch an.) Ich flüchtete aus dem Dunklen. Zuvor machte ich eine Beobachtung: der Dark Room war durch ein Gefängnisgitter durchtrennt. Auf die andere Seite zu kommen war nicht möglich, trotzdem befanden sich dort Leute. Und ich war sogar der Meinung, dass diese angezogen waren.
Irgendwann ging der sexy Mann dann nach Hause und ich beschloß dem gleich zu tun. Ich duschte, zog mich um und gab den Schlüssel an der Reception ab. Der Receptionist fragte mich, ob ich noch in die Bar wolle. Da dämmerte es mir. Der Club war zweigeteilt: eine Sauna und eine Disco. Und ich ging einfach auf der falschen Seite hinein. Natürlich wollte ich in die Disco. Da wollte ich ja hin. Er führte mich zu einer abgeschlossene Tür, schloss sie mir auf und entließ mich in den richtigen Club. Dort gab es Musik, Drinks und Kleidung. (Natürlich gab es dort auch Dark Rooms und Sex.) War ein langer Weg, aber am Ende hatte ich es in den richtigen Fantom-Klub geschafft. Das war also Warschau von hinten.